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Bodensee 2000 - 27.08. bis
02.09. |
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Da die Bodenseeumrundung von 1998 noch positiv in
unserer Erinnerung weilte, entschlossen wir uns frühzeitig, diese Tour ein
zweites Mal anzugehen. Als Termin wurde dann der Spätsommer des Jahres 2000
ausgewählt. Für den Mediziner erschien dieser Zeitraum am geeignetesten , da er
seit dem letzten Sommer im Dauerstress stand. Dem Kartographen in unserer Runde
war es aufgrund seiner günstigen Arbeitslage gleich, wann diese Tour starten
würde. Der Termin war dann so ideal gewählt, dass sich uns noch ein
Gleichgesinnter anschloss. Es handelte sich um einen Maschinenbauer. So
bereiteten sich drei Personen auf ihre Art und Weise auf die zweite
Bodenseeumrundung vor. Nach kurzer Absprache trafen sich dann Jan, Ronny und
Marcus am Morgen des 27.08.2000 am Bahnhof Suhl.
Sonntag, 27.08.2000
Jeder von uns hatte die Nacht nur mehr oder weniger viel Schlaf gehabt. Ronny
zum Beispiel musste die ganze Nacht sein Becken kreisen ?! , Marcus verlebte
seine letzten Stunden auf einer Blockhausparty in der Nähe von nirgendwo und Jan
war es einfach mal viel zu warm zum schlafen.
Vollbepackt, diesmal war das Gepäck wenigstens rückenschonender im Kofferraum
verstaut, nahmen wir die 11-stündige Zugfahrt, beginnend um 06:05 Uhr, auf uns.
Sechs mal umsteigen bedeutete für uns, sechs mal die schweren Fahrräder von Zug
zu Zug wuchten. Ein Blick aus dem Fenster des Zuges ließ uns Schreckliches
ahnen, denn die Wolken vermehrten sich zunehmend. Ronny stempelte uns als
Pessimisten ab. Doch Jan und Marcus hatten recht! Am
Bahnhof von Lindau gegen 17:17 Uhr angekommen, begann es sehr zu regnen.
Nein, es regnete nicht nur, Petrus ergoss seinen kompletten
Campingwasserbehälter über uns. Dieser war randvoll gefüllt, so dass die
nachfolgenden 10 km ein Badeerlebnis der feinsten Art für uns darstellten.
Geblendet vom „Tempel
der Trockenheit“ ( eine Aussichtsplattform in Kressbronn direkt am Wasser )
unterbrachen wir unsere Radtour für diesen Tag. Um sich ein wenig aufzuwärmen,
sprangen Jan und Ronny in den überraschend warmen Bodensee ( ca. 22 °C ).
Marcus hatte auf mysteriöse Weise ( Akte X – würdig )
trotz bestem Wetter die Trockenheit bewahrt, außerdem bemerkte er, dass seine
Badehose noch in einer Tasche war, diese jedoch in Suhl gut stand. Doch dies war
nicht das einzigste, was unsere drei Radler vergessen hatten. Marcus bemerkte
ebenfalls den Verlust seiner Radkarte im Zug, sowie das Fehlen seiner
Fahrradhandschuhe, die sich in selbiger Tasche befanden. Doch Ronny bleibt in
dieser Kategorie unerreicht. Er vergaß nicht nur eine für diese Jahreszeit
notwenige lange Hose, nein, ihm fehlten außerdem Zahnbürste, Handtuch und
Rasierschaum. Was hatte Ronny denn nun in seinen proppe gefüllten Radtaschen??
Die Essenseinnahme erfolgte sodann im auserwählten Tempel. Wie auch schon
vor zwei Jahren begann es mit einer leckeren Vorsuppe ( Unox, heiße Tasse ),
gefolgt von einer ausgewogenen Tütenmahlzeit. Traditionell wurde der erste Abend
mit einem „SERVUS“ verabschiedet. Da spätestens merkten wir, wir waren nicht
allein! Jeder unserer Schritte wurde von Tausend Augen verfolgt. Über uns hatten
sich todbringende Kreuzspinnen, die Hüter des Tempels, ihre Netze gesponnen. Aus
diesem Grund wurde die Phase des Einschlafens von Angst und Ekel begleitet.
Gute Nacht!
Montag, 28.08.2000
Man glaubt es kaum, die Nacht war gut. Geweckt von den ersten Sonnenstrahlen,
packten wir unsere nassen Klamotten und machten uns auf die erste und in der
Geschichte bisher längste Etappe. Nach knapp einer Stunde war Ronny´s Hunger
unerträglich. Ein Supermarkt der Konkurrenz ( Marktkauf ) erlöste uns von
Ronny´s Qualen. Nach ca. 1 Stunde war Ronny gesättigt, Jan und Marcus hatten
Mühe, während der Fahrt das Essen in sich zu behalten.
Nach 40 km wollte Marcus nur seine tägliche Behördenlektüre erstehen. Doch
die von Sonne überflutete Liegewiese verlockte zum kurzfristigen „Boxenstopp“.
Jan fütterte während eines ausgedehnten Schwimmausflugs die Fische mit dem Rest
des Frühstücks. Nachdem sich die Wiese immer mehr mit spielwütigen Kindern und
hässlichen Entlein füllte, überwanden wir uns, die kommenden Strapazen auf
uns zu nehmen.
Am linken oberen Ende des Bodensee´s beschlossen wir einstimmig, dass
Deutsche nicht in der Lage sind, Fahrradwege zu bauen. Wir „mussten“ uns über
steile Berge durch den Wald quälen. In Radolfzell angekommen kaufte Ronny sich
ein Eis an der Tanke, denn wieder einmal machte ihm der Hunger zu schaffen. Noch
nicht fertig damit, machten wir uns auf die Suche nach der Erfüllung des Abends.
BIER! Da wir direkt an einem Aldi standen, nutzten wir die letzten zwei Minuten
zum Einkauf. Denn auch hier wird pünktlich 18:30 Uhr die Tür geschlossen. Wir
erstanden ein Six-Pack und eine Dreierpackung Eis, welche zusammen Ronny´s
Einkaufspreis für ein Eis deutlich unterboten.
Mit letzter Kraft schleppten wir uns nach Moos, immer auf der Suche nach
einer passenden Schlafgelegenheit. Und da war sie!
Ein Strandbad, große Wiese, optimal eben. Man ließ uns dort bereitwillig
campen, auch wenn das die Ortspolizei streng verboten hatte. Nach einer letzten
Abkühlung im See bereiteten wir unser allabendliches Essen. Die Mücken der
Umgebung hatten scheinbar genauso großen Hunger wie wir. Dies zwang uns
schließlich in völlig zerstochenem Zustand das Zelt aufzuschlagen. Von 85 km
geschafft, schliefen wir im pudelwarmen Zelt eng aneinander geschmiegt ein.
Dienstag, 29.08.2000
Geweckt von einer romantischen morgendlichen Stimmung am Ufer des Sees
rafften wir uns zusammen. Nächste Station war Stein am Rhein (CH). Der Hunger
ließ uns die Strecke in ca. 1 Stunde schaffen. Ein idyllischer Marktplatz bot
uns die Kulisse, um Geld zu wechseln ( Scheiß EURO! 23 SFr für 30 DM ) und
Brötchen zu kaufen. Die Tüte Brötchen in der Hand und umgerechnet 10 DM weniger
in der Reisetasche, denn 1 Brötchen kostete 1 SFr., ließen uns auf bitterste
Weise die Schweizer Lebenserhaltungskosten kennen lernen.
Auf der Suche nach einem passenden Frühstückstort wurden wir instinktiv zu
einer „Frühstücksinsel“ geleitet. Eine Privatinsel mitten im Rhein, nur über
eine schmale Brücke befahrbar, bot uns, den geschundenen Reitern der Drahtesel,
ein optimales Plätzchen zur Speiseeinnahme und zur Verdauung.
Schwer uns von dieser Idylle loszureisen, machten wir uns abermals auf die
längste Etappe. Sie führte uns am Untersee entlang bis nach Kreuzlingen. Da
beschlossen wir, die warmen Sonnenstrahlen zum Trocknen einiger Klamotten zu
nutzen. Nebenbei stimulierten wir unsere Melanozyten zur Melaninproduktion, was
zur Folge hatte, dass sich die Pigmentierung unserer Haut erhöhte – sprich, wir
bräunten uns. Trotz Niedergeschlagenheit wurden wir von Ronny zu neuen
Heldentaten getrieben. Wir verbesserten unseren Stundenschnitt auf dem Weg nach
Romanshorn erheblich.
Vom Hunger zu einer Pause gezwungen, aß Ronny schnell ein Snickers, um nicht
viel von unserer Zeit zu verlieren. Doch vom mittelalterlichen Bahnhof
fasziniert, verweilten wir noch eine Zeit lang, um das ganze Treiben in aller
Ausführlichkeit mitzuerleben. Von Technik verwöhnt, sahen wir schockiert, wie
die nächsten Züge mit Blechschildern und einer von Hand zu bedienenden Uhr
angekündigt wurden.
Mit letzter Kraft machten wir uns auf die letzten 15 km der 93 km langen
Etappe nach Rorschach. Für Marcus war es die bisher schwierigste Prüfung. Von
Kraftlosigkeit und Scheißerei gequält, sammelte er volle Konzentration, um den
nächsten Schlafplatz zu erreichen. Beim Anblick des Bahnhofes kamen alte
Erinnerungen hoch. Hatten Jan und Marcus schon vor zwei Jahren am selben Ort
genächtigt. Traditionell schlugen wir unser Quartier direkt im Rorschacher
Stadtpark unweit des Bodensee´s auf. Durch einige Jugendgruppen war die Luft
erfüllt von Cannabisgeruch. Nach einer Flasche krachsüßem Krötenbrunnen für Jan
und Ronny, sowie 1 Liter Früchtetee für Marcus ( plus 2 Imodium Akut ) legten
wir uns geplättet im Park nieder.
Von selbst versteht sich natürlich das reichhaltige und vollwertige sowie
ausgewogene Abendessen.
Mittwoch, 30.08.2000
Nachdem mehrere Hunde, gelockt vom Geruch des Abendessens, unseren Müllbeutel
durchwühlten, war es für uns unmöglich, zurück zum Schlaf zu finden. Nach den
ersten morgendlichen Besorgungen, sprich Bild, Brötchen und Frühstückscerealien,
mit denen Ronny beauftragt war, ging es ans Essen. Da wir für diesen Tag eine
Fahrt nach Appenzell geplant hatten, packten wir nun gegen 14 Uhr unsere
Klamotten ( ins Schließfach ) und machten uns auf den Weg.
Aufgrund des hohen Tempos erreichten wir nach kurzer Zeit St. Gallen, wo wir
an gleicher Stelle wie 1998 Obst zu uns nahmen. Der Weg nach Appenzell führte
uns über die ersten Berge der Schweizer Alpen. Da es auf einmal zu regnen
begann, suchten wir eine uns bekannte Berghütte zum Verweilen aus. Wir
bestellten uns Appenzeller Teller und Pantli, was uns sehr mundete, aber auch
einen tiefen Schnitt in unserem Budget hinterließ. Tief erstaunt waren wir von
der überwältigenden Technik auf dem WC des Gasthofes, welches wir dann alle
nacheinander aufsuchten, nur Jan hatte mit der Technik einige Probleme. Er
konnte das Spülsystem nicht aktivieren.
Die Zeit verging und es hörte nicht auf zu regnen. Also beschlossen wir, uns
in Müllbeutel einzuwickeln und uns auf den Abstieg zu begeben. Wir rasten 15 km
mit maximaler Geschwindigkeit bergab. Am Bahnhof in Rorschach angekommen
beschlossen wir, im Zelt zu schlafen, da unser Schlafplatz der Vornacht aufgrund
der Witterung ein wenig ungeeignet erschien. Aber wir wählten nicht irgendein
Zelt, sondern im Eingangszelt der EXPOsee schlugen wir unser Nachtlager auf. Das
war auch unser Glück, denn es sollte die nächsten 24 Stunden nicht aufhören zu
regnen.
Während wir uns Ragout Fin mit Kartoffelbrei schmecken ließen, begrüßten uns
jede Menge Schweizer mit den Worten: „Grüzi Mittenand! “. Gegen 23Uhr schliefen
wir in dem noch im Bau befindlichen Zelt ruhig und angenehm ein. Denn wir
wollten Ronny´s Geburtstag erst am Morgen feiern, weil wir keinen Wein mehr zum
Anstoßen hatten.
Ach ja, Ronny vergnügte sich zum letzten Mal in seinem jungen Leben auf einem
sich drehenden Karussell. Denn mit 21 ist man zu alt dafür, was uns Ronny nicht
glaubte, sich aber spätestens am nächsten Tag beweisen sollte.
Donnerstag, 31.08.2000
Aufgewacht am nächsten Morgen, wunderten wir uns kaum, dass es immer noch
regnete. Auch die Arbeiten auf der Baustelle begannen, wenn auch nur für kurze
Zeit, dann machten die Arbeiter scheinbar erst einmal ein ausgedehntes
Frühstück. Auch so konnte man nicht sagen, dass sich die Arbeiter von Arbeit
nicht kaputt machten. So wurden zum Tragen eines Kabels zwei Leute benötigt,
einer für´s Kabel und einer für die Stecker. Nun ja, auch wir gönnten uns erst
mal ein ausgedehntes Frühstück, welches Ronny auch an diesem Tag besorgte. Zu
guter Letzt legten wir uns nach dem Frühstück wieder aufs Ohr ... bis ca. 15 Uhr
( doch wir wurden wenigstens nicht noch dafür bezahlt ).
Als wir nun abermals an diesem Tag aufwachten, regnete es immer noch. Wir
konnten aber unmöglich den ganzen Tag vergammeln – viel zu unspektakulär. Also
bauten wir mit Mülltüten und Panzertape Konstruktionen, die uns und unsere
Radtaschen im strömenden Regen wenigstens etwas schützen sollten. Man muss
sagen, selbst MacGyver hätte mit den spärlichen Mitteln nichts besseres erfinden
können. So machten wir uns tatsächlich auf den Weg. Unsere Konstruktionen haben
gehalten, na ja das Wasser ging rein, aber nicht mehr raus, irgendwas hatten wir
scheinbar falsch gemacht.
Während der 40 km langen Strecke nach Bregenz verworfen wir auch langsam
unser erklärtes Ziel für diesen Tag, den Pfänder. Wir waren heilfroh, als wir
den Bahnhof in Bregenz erreichten, und hier sollte es erst richtig lustig
werden. Durchnässt vom andauernden Regen wechselten wir auf der Bahnhofstoilette
unsere Kleidung. Die notwendigsten Sachen wie Haare und Handtücher trockneten
wir unter dem Heißlufthandtrockner. Ronny, vom Hunger gezeichnet, bestellte beim
danebenliegenden Bäcker erst einmal drei Cordon Bleu Sandwichs, welche wir in
Rekordzeit verdrückten.
Noch in Ratlosigkeit der ungeklärten Übernachtung fragte Marcus die nette
blonde Bäckersfrau nach einer kostenlosen Übernachtungsmöglichkeit ( nicht, dass
wir irgendwelche schmutzigen Gedanken hegten ). Denn die Chance bei einer der
beiden Mädels zu schlafen war quasi aussichtslos. Wer würde drei Fremde, welche
eine Woche kein warmes Wasser auf der Haut spürten, ganz zu schweigen von den
Klamotten, deren Schweißgeruch nur mit massig Deodorant überdeckt werden konnte,
einen Schlafplatz anbieten?
Die nette braunhaarige Bäckersfrau bot uns ganz „brutal“ den übergroßen
Sonnenschirm direkt vor dem Laden an. Doch ohne den beiden Mädels ein schlechtes
Gewissen für diese Abfuhr zu verpassen, konnten wir den Laden nicht verlassen.
Mit den Worten: „Dann müssen wir halt auf dem Bahnhof schlafen ...“ , zogen wir
uns vorerst zurück. Dann trat Ronny in Aktion. Um dem ganzen Ausdruck zu
verleihen, besorgte Ronny ausgerechnet in der Bäckerei ein Topf voll Wasser,
wobei er die danebenliegende Toilette mit Absicht übersah. Er baute seinen
Gaskocher provokativ in Blickweite auf, um in Seelenruhe einen grünen Vanilletee
zu kochen. Wie muss das wohl ausgesehen haben, als wir den heißen Becher im
Kreis reichten?
Um Brötchen fürs Frühstück zu besorgen, betrat Ronny abermals den Laden.
Marcus und Jan folgten Ronny und hörten nur noch den Satz: „ Ich muss aber 04:30
Uhr aufstehen ...“. Lachend rannten die beiden aus dem Laden heraus. Als wir
Ronny das nächste Mal sahen, hatte er bereits einen Besen in der Hand womit er
die beiden Mädels beim Aufräumen der Filiale unterstützte. Wir fassten es nicht,
wir hatten tatsächlich einen Schlafplatz gefunden ( warm & trocken ). Als Ronny
die Bäckerei nach vollendeter Arbeit verließ, hatte er eine große Tüte in der
Hand, worin sich ca. die Hälfte des Bäckersortiments befand ( unentgeltlich
natürlich ). Noch eine Stunde verharrten wir auf dem Bahnhof, dann ging es mit
den Rädern auf zu ihr.
Das glaubt uns kein Mensch, dachten wir! Unterwegs auf dem Gepäckträger wurde
erst mal ein Tütchen samt Inhalt verwertet, was uns als Deutsche sehr stark
verwunderte, wie offen hier Drogen konsumiert wurden. Am Haus angekommen
staunten wir alle drei nicht schlecht. Das Haus, was soll man sagen, das
Traumhaus schlechthin. Dort angekommen, war es Zeit sich erst einmal
vorzustellen. Im Wohnzimmer machten wir es uns gemütlich. Wir erzählten von uns,
unseren derzeitigen Tätigkeiten. Unsere Gastgeberin Magdalena erzählte daraufhin
von sich. Sie war gerade mit der Schule fertig, arbeitete also nur nebenbei ein
wenig in der Bäckerei. Im Oktober wollte sie in Innsbruck anfangen zu studieren,
was jedoch wusste sie noch nicht. Sie rätselt noch zwischen Geschichte,
Psychologie, Archäologie und einem anderem Studiengang, denn in Österreich gibt
es für jeden Studiengang genug Studienplätze, also auch keine
Zulassungsbeschränkung, was für uns nicht nachvollziehbar war.
„Ähm, übrigens Ronny hat heute Geburtstag“ sagte Marcus dann in der Hoffnung,
den Abend mit ein paar Gläsern Sekt zu beschließen. Daraufhin zückte Magdalena
sofort einen leckeren und teuren Tropfen, natürlich erst nachdem sie Ronny´s
Ausweis kontrollierten. Nach vielen lustigen Gesprächsthemen und schon weit
fortgeschrittenem Abend, legten sich Magdalena, Johanna und Christian nieder, da
Magdalena ja morgens um 04:30 Uhr das Haus Richtung Arbeit verlassen musste. Wir
drei ließen uns die kostenlosen Brötchen sehr schmecken, machten uns ans
Schreiben von Postkarten und dieses Tagebuchs. Entkräftet von den
zurückliegenden Strapazen schliefen Jan und Marcus gegen 02:00 Uhr ein. Ronny
allerdings behielt die Augen bis ca. 04:00 Uhr auf und schrieb sich die Finger
wund.
Freitag, 01.09.2000
Gegen 04:30 Uhr wurden wir geweckt von Magdalena´s morgendlichem Treiben. Wir
verabschiedeten uns von ihr, denn wir durften noch ein wenig weiterschlafen.
Wieder im warmen trockenem Schlafsack liegend machte uns der aufkommende Regen
Sorgen, denn die Terrassentür war noch auf. Während Magdalena sich durch den
strömenden Regen schlug, denn doller hätte es nicht regnen können, schliefen wir
wieder friedlich ein. Gegen 08:00 Uhr erwachten wir dann und führten lustige
aber auch ernsthafte Gespräche mit Johanna.
Nach erstmaligem Waschen mit warmem Wasser machten wir noch Frühstück, wobei
wir fast alle Marmeladengläser leerten. Dafür ließen wir den Rest unseres
Mühlhäuser Pflaumenmuses da. Nachdem wir die Küche wieder auf Vordermann
gebracht haben, packten wir unsere Sachen und verließen das Traumhaus in
Richtung Bahnhof. Mittlerweile hatte sich auch die Sonne den Weg durch die
dicken Wolken freigekämpft, was Johanna in ausgelassene Laune brachte. Im
Bahnhof verstauten wir jegliches überflüssiges Gepäck, um uns dann auf den „echt
brutalen“ Aufstieg zum Pfänder zu machen. Gesagt getan! In einer knappen Stunde
hatten wir die 650 Höhenmeter tatsächlich überwunden. Ronny glänzte mit
sportlichen Höchstleistungen. Er erwartete uns oben schon mit drei frisch
gezapften Radlern. Es hätte uns auch nicht gewundert, wenn er uns zwischendurch
entgegengekommen wäre, um noch einmal hochzufahren. Auf dem Gipfel genossen wir
einige Stunden lang die Sonnenstrahlen, die Aussicht, die Ruhe ... .
Die Abfahrt war richtig rasant, vielleicht sogar ein wenig gefährlich, gerade
nach dem Ronny feststellte, dass Jan´s vorderer Bremsbowdenzug kurz vorm reißen
stand. Ein echt beruhigendes Gefühl bei diesem Gefälle. Unten nach ca. 5 Minuten
angekommen, fragten wir uns, wo wir denn diese Nacht verbringen sollten. Da wir
die letzte Nacht als recht angenehm empfanden, entschlossen wir uns, auf
Magdalena´s Angebot einzugehen und eine weitere Nacht bei ihr zu nächtigen. Als
Dankeschön überlegten wir uns, etwas für sie zu kochen.
Also fuhren wir kurzerhand in den nächsten Hofer ( der österreichische Aldi
). Das Einkaufen war ein echter Krampf. Jeder von uns Dreien hatte andere
Vorstellungen, Ronny wollte eigentlich nur ein Bündel Zwiebelschloten, weil die
doch so gut schmecken!?! Irgendwie sind wir uns dann doch noch einig geworden,
noch eine Flasche des teuersten Hofer-Sektes und dann ab zur Kasse. Das
Anstellen hatte sich gelohnt. Erst mal hat sich die Kassiererin ständig vertippt
und zu unserem Glück wusste sie auch den aktuellen ( obwohl gleichbleibenden )
Wechselkurs nicht. Sie fragte ihre Kollegin und bekam als Antwort: „14“ . Wir
wollten zwar nicht in Euro zahlen, aber egal. Wir verhielten uns ruhig und
schauten gespannt dem Geschehen mit einem leichten Grinsen zu. Schon waren aus
den 46 DM, die wir eigentlich hätten zahlen müssen, nur noch 23 DM geworden. Da
sie es uns nur in Schilling rausgeben konnte, wurde ihre Rechnung immer
spektakulärer. Denn die 27 DM ( von 50 DM das Restgeld ) rechnete sie, auf
unseren Hinweis hin, wieder mit „14“ auf. Es war ehrlich gesagt ziemlich heftig
dabei nicht mit dem Lachen anzufangen. Mit vollen Taschen und 385 Schilling
verließen wir den Hofer. Wir hatten tatsächlich zwei volle Tüten und ein wenig
Geld mehr wie vorher!
Um die abendlichen Sonnenstrahlen auch noch abfangen zu können, suchten wir
uns ein schönes Plätzchen am Bodensee, wo wir dann auch Magdalena mit ihren
Freunden trafen. Deren Jonglierkünste beeindruckten uns wirklich, gerade bei
diesem Drogenkonsum! Als die Sonne langsam am Horizont unterging fuhren wir zu
ihr. Erstmals in dieser Woche nahmen wir eine Dusche. Man konnte kaum glauben,
dass der Dreck, der sich in der Badewanne ansammelte, von uns war, igitt igitt!
Frisch und gut riechend machten wir uns an das Essen kochen.
Mozarella mit Tomaten und Basilikum, mit Frischkäse gefüllte Champignonköpfe,
mehrere Kräuterbaguette und gebackener Camembert mit Preiselbeeren. Wir ließen
es uns schmecken, auch Magdalena´s Freunde gesellten sich völlig ausgehungert zu
uns und schaufelten rein wie es nur ging. Tja, nur vom Kiffen kann man auch auf
Dauer nicht überleben!! Es kamen dann immer mehr Leute, es wurde also eine
richtig kleine Party, bei welcher viele Cocktails ( leckerer selbstgemachter
Pina Colada ) , Flaschen Wein und Sekt und natürlich einige Sechserträger
geleert wurden. Gegen den frühen Morgen trat dann unser letzter übriggebliebener
Albtraum ein. Es begann wieder einmal zu regnen. Und das zwei Stunden, bevor wir
uns gegen 04:00 Uhr auf den Weg zum Bahnhof in Lindau begeben wollten. So
genossen wir die letzten Stunden im warmen Gefilde mit etwas Schlafen oder dem
Leeren der Gläser.
Samstag, 02.09.2000
Mit Hilfe von Magdalena und einer guten Freundin rüsteten wir uns abermals
mit Mülltüten zu den letzten 10 km unserer diesjährigen Bodenseeumrundung. Gegen
04:30 Uhr verabschiedeten wir uns dann mit Wehmut von Magdalena. Sie sagte uns,
dass es für sie ein positives Abenteuer gewesen sei, drei wildfremde Radfahrer
vom Bahnhof aufzulesen und mit sich nach Hause zu nehmen. Wir tauschten unsere
Adressen und entschlossen, uns gegenseitig zu besuchen, ob nun in Suhl,
Innsbruck oder wieder in Bregenz ließen wir noch offen.
Dann machten wir uns auf den Weg, um rechtzeitig den ersten Zug in Richtung
Heimat zu erwischen. Wir schlugen uns durch den morgendlichen Regen, bis hin zur
Lindau-Insel. Auf dem Weg traf Marcus noch der Schlag, als er die mittlerweile
horrenden Dieselpreise an einer Tankstelle angeschrieben sah. Auf dem Bahnhof
angekommen, wechselten wir unsere nassen Klamotten gegen fast trockene, denn
unsere Reserven waren schon längst aufgebraucht.
Nach einem Schluck warmen Früchtetee bestiegen wir gegen 05:45 Uhr den Zug,
denn im nachhinein stellten wir fest, dieser Zug war in keinem offiziellen
Fahrplan verzeichnet und somit war die Abfahrtszeit für uns nicht mehr genau
nachvollziehbar. Aber trotzdem begann für uns eine abenteuerliche 12½-stündige
Fahrt nach Suhl. Das erste Mal in diesem Urlaub war es so kalt, dass jeder von
uns fröstelte, und das in einem Zug. Aber die Heimat rückte immer näher, so dass
wir alles zusammenkniffen und uns dies nun auch egal war.
Immer auf der Suche nach einem günstigen Umweg um den Schienenersatzverkehr
bei Bad Neustadt durchkämmten wir jeden Bahnhof auf unserer Route. Letztendlich
mussten wir ganz einfach hinnehmen, dass es keine Möglichkeit gab, diesem
Dilemma davonzukommen. Also erreichten wir am 02.09.2000 den alt bekannten
Bahnhof im verkackten Suhl um 17:51 Uhr.
Wir hatten es also wieder einmal geschafft. Wir haben eine erlebnisreiche
Woche mit viel Qualen aber auch viel Spaß erlebt.
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Kurz vor dem Aufbruch |
Mit Freude vor der Heimat |
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